Live aus dem “Survivalcamp”: Das Homes of Hope-Tagebuch aus Namibia (Teil 1)

Judith war eine der Teilnehmerinnen des Homes of Hope (HoH) im März und April in Namibia. Hier im Blog berichtet sie über ihre Erfahrungen zwischen der Arbeit im Projekt, interkulturellen Überraschungen und unheimlichen Begegnungen mit Tieren aller Art.

16. März 2011: Ankunft in Tjaka

Nach einer langen Überlandfahrt ist es geschafft: Wir haben Windhoek, die Hauptstadt, hinter uns gelassen und sind an unserem ersten eigentlichen Ziel, dem kleinen Örtchen Tjaka, angekommen. Wir, das sind Barbara, Bastian, Benedikt, Christoph, Elli, Corinna, Anna, Yumin und ich, Judith. Die Fahrt nach Tjaka glich eher einer Safari-Tour, denn am Straßenrand und in der unglaublichen Weite der Landschaft tummelten sich alle möglichen Tiere, von groß bis klein: Paviane, Springböcke, Gnus, Perlhühner, Karibus, Kudu-Antilopen und sogar eine grüne Mamba kroch über die Straße. Für die richtige Abenteuerstimmung war also gesorgt.

Untergebracht werden wir für die nächste Woche in unserer Partnereinrichtung vor Ort, dem Komeho Center. Und von wegen: Back to the roots, Plumpsklo und kein Strom. Nein, hier wurden uns zwei kleine Häuschen zur Verfügung gestellt, mit je zwei Schlafzimmern, einer kleinen Küche, einem modernen Bad mit heißem Wasser und zu allem Überfluss gibt es sogar auch einen Fernseher.

Am nächsten Morgen geht’s dann also endlich los: Um acht Uhr ist Arbeitsbeginn an unserem erstem Projekt, der Mphe Thuto Primary School in Tjaka. Hier heißt es für die nächsten 48 Stunden: Streichen, Streichen, Streichen. Die Vorschulklasse wird von außen verschönert, die Kinder der Klasse in Überlebensgröße an die Wand gezaubert und über ihren Köpfen erstrahlt ein farbenfroher Regenbogen mit vielen bunten Schmetterlingen.

Foto: Anna Hillje

Manche von uns sind so eifrig dabei, dass unsere Streicher-Outfits schon nach dem ersten Tag so aussehen, als hätten wir bereits seit Wochen auf dem Bau malocht. Eine von uns fühlte sich sogar überaus heftig von einem Farbeimer angezogen: Einen Sturz von einem wackeligen Tisch federte sie gekonnt ab, indem sie stilsicher mit beiden Beinen gleichzeitig in dem großen roten Farbeimer landete. Der Modetrend fürs HoH 2011 war damit gesetzt: Komplett rote Sneaker, farbversteinert. Bis auf die Schuhe blieben zum Glück alle unverletzt.

19. März 2011: Ausflug nach Harnas

Nach zwei Tagen Malerarbeiten erstrahlt die Vorschulklasse der Mphe Thuto nun in neuem Glanz. Das Wochenende können wir deswegen für ein paar spannende Ausflüge nutzen. Am Samstag geht’s nach Harnas, eine Wildtierfarm für u.a. verletzte Tiere, und am Sonntag sehen wir das Leben in Namibia mal von einer anderen Seite: Wir bleiben über Nacht auf dem Anwesen einer (weißen) Farmerfamilie.

Der Wecker klingelt heute um 4.45 Uhr, denn schon um 5.00 Uhr soll es Richtung Harnas gehen. Harnas, das ist eine Wildtierfarm mit Löwen, Geparden, Krokodilen, Wildhunden, etc. Und hier vergnügten sich sogar schon Angelina Jolie und Brad Pitt samt Anhang und seitdem ist dieses Aufnahme- und Auswilderungsprojekt für verletzte Wildtiere auch ein großer Touristenmagnet. Also auf nach Harnas!

Vor Ort machen wir eine lange Tour mit, die Fütterung. Im offenen Jeep geht’s vorbei an hungrigen Pavianen, Löwen, Geparden, Leoparden, Wildhunden, Affen und Wüstenluchsen, alle sicher verwahrt hinter den Zäunen ihrer riesigen Gehege. Das Highlight aber sind definitiv die Geparden, denn hier öffnet sich auf einmal das Gatter und der Plan heißt: Mitten durch die Horde – Glücklicherweise kommen wir alle unverletzt davon.

21. März 2011: Independence Day Namibia

Heute feiert Namibia den Tag seiner Unabhängigkeit. Wir feiern mit, indem wir uns, zurück in Tjaka, noch ein wenig interkulturell austauschen: Die Mädchen lernen kochen, die Jungs fahren wild durch die Gegend. Im Klartext heißt das: Eine Frau aus dem Dorf zeigt Anna, Elli, Corinna und mir, wie man die so genannten Fat-Cake, also die Fettkuchen, die hier alle immer gerne essen, herstellt. Im Grunde handelt es sich dabei um Ähnliches wie Berliner oder Kreppel, also einen Hefeteig, der in kleinen Bällchen in heißem Fett ausgebacken wird. So stehen wir also ein paar Stunden lang in dem Bretterverschlag um ein offenes Feuer und kochen Fat-Cakes und weinen dabei die meiste Zeit über – das Feuer raucht nämlich heftig und brennt höllisch in den Augen. Abgesehen davon ist die Aktion aber v.a. kulinarisch ein voller Erfolg.

Die Männer unserer Truppe haben derweil eine andere Bespaßung: Sie dürfen lernen, wie man einen Eselskarren fährt und lenkt. Das sei wohl gar nicht so einfach, versichern sie uns im Nachhinein, und die ein bis zwei Eselstärken pro Wagen können tatsächlich unverhofft schnell werden.

Dieser Kulturtag wird am Abend übrigens noch durch eine Unterrichtsstunde abgerundet: Ein weiteres Mal erhalten wir eine Einführung in die Herero-Sprache, in der wir in Eiseb in Grundzügen kommunizieren werden müssen. Begrüßung, Höflichkeiten, Fußball-Vokabeln: Jetzt können wir alle Herero sprechen – fließend, versteht sich…

Fortsetzung folgt.

  1. Ingrid Flettner Cardenas sagt:

    Hallo liebe Judith!
    Habe den Bericht mit Interesse gelesen.
    War bestimmt wieder eine tolle Erfahrung und abenteuerlich.
    Der Schule habt ihr einen tollen Anstrich verpasst. Die Bilder sind auch sehr eindrucksvoll!
    Liebe Grüsse
    Ingrid

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